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Altwarp und Umgebung - Landratsamt des Uecker-Randow- Kreises (bis 2011)

Es war einmal:
Das schönste Landratsamt Deutschlands - Landkreis Uecker-Randow (KfZ-Kennz. UER)

1994 beschloss der Kreistag des Landkreises Uecker-Randow, die ehemalige Kürassierkaserne zu sanieren und umzubauen. Sie sollte der neue Sitz der Verwaltung des Landkreises werden. Im Jahre 1997 begannen die Bauarbeiten und 1998 zog die gesamte Verwaltung des Landkreises unter ein Dach. Aus drei Landkreisen: Pasewalk, Strasburg und Ueckermünde wurde im Rahmen einer Kreisgebietsreform ein Landkreis, Landkreis Uecker-Randow.

Nun, 2012 wurde die nächste Kreisgebietsreform realisiert. Der Landkreis Uecker-Randow ist passee. Ein neuer Mammutkreis "Vorpommern-Greifswald" (VG Vorpommern-Greifswald) entstand. Dem repräsentativen Sitz in Pasewalk wird wohl ein ungewisses Schicksal bevorstehen. Noch ist das historische Ensemble Verwaltungs(teil)sitz.

Etwas Geschichte

Die Geschichte der Kürassierkaserne ist seit Jahrhunderten eng mit der Militärgeschichte Pasewalks verbunden. Schon über 200 Jahre lang gehörten berittene Soldaten fest zum Stadtbild von Pasewalk.
Die Kürassiere haben sich aus schweren Panzerreitern entwickelt, sie trugen (zuletzt allerdings nur noch zur Parade) immer noch einen Brustpanzer als Überbleibsel der Ritterrüstung. Nach diesem Stück, genannt Küraß, hatten sie ihren Namen. Sie sollten wuchtige geschlossene Attacken zur Schlachtentscheidung reiten und waren auf schwere kräftige Pferde gesetzt.

Nachdem die Bürger im 18. Jahrhundert zunächst im Rahmen ihrer Naturalabgaben auch die Soldaten in der Stadt zu beherbergen und zu versorgen hatten, zahlte man für die Unterbringung im 19. Jahrhundert den sogenannten "Servis" - das Quartiergeld. Die Kammer der Soldaten befand sich jedoch nicht selten neben dem Abort und den Stallungen auf dem Hof.
Mitte des 19. Jahrhundert entstanden sogenannte Kasernements, zentrale Kleinquartiere für Soldaten und Pferde. Obwohl es so möglich war, die schlimmsten Missstände bei der Unterbringung aus der Welt zu schaffen, erwies sich diese Praxis nicht als zufriedenstellend, zumal 1874 die Gebäude mangels Instandhaltungsarbeiten immer weiter verfielen. Vor diesem Hintergrund begannen im Spätsommer 1879 die Arbeiten für die Fundamente einer neuen Wohnkaserne, deren Bau im Herbst 1882 beendet wurde.

Das Kürassier-Regiment Königin 1717-1919 - ein kurzer geschichtlicher Abriß.

Vom Bau

Die Backsteinarchitektur (historisch: Backstein, gebrannte (gebackene) Mauerziegel) prägte lange Zeit entscheidend den Charakter der norddeutschen Kultur- und Kunstlandschaft.
Unverputzte Backsteinbauten der Neuzeit sind vor allem in Nordeuropa zu finden (norddeutsche Backsteingotik). Bis Mitte 19. Jh. wurden die Mauerziegel als so genannte Handstrichsteine hergestellt, danach für gewöhnlich maschinell. In Mecklenburg-Vorpommern ist dieser eigenwillige und packende Stil noch heute besonders gut zu erleben. Am besten natürlich in den großen Hansestädten Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald. Aber auch in der Landeshauptstadt Schwerin und in Neubrandenburg, in vielen kleineren Städte und selbst in zahlreichen Dörfern finden sich bedeutende Repräsentanten der glorreichen Backstein-Ära (Quelle: Torusimusverband Mecklenburg-Vorpommern).

Das Kasernengebäude aus rotem Backstein ist in gotischen Stilformen ausgeführt. Durch das verschiedenfarbige Material und durch die geschickte Verteilung der Maße zu den Öffnungen wird dem Betrachter ein freundlicher Eindruck vermittelt. Fern einer Vorstellung, welche man von einer Kaserne schlechthin hat. Die Monotonie größerer Zweckbauten konnte so soweit wie möglich vermieden werden. Ziersteine als gefertigte Formsteine wurden harmonisch im Bauwerk eingefügt. Das Material der Formsteine wurde teils eingefärbt oder auch glasiert. Das Gebäude ist ein traditioneller Mauerwerksbau mit 4 Vollgeschossen. Die Wohnkaserne hat eine Längenausdehnung von 129,5 m. Das Gebäude mit symmetrischen Grundriß gliedert sich in den Mitteltrakt, die Längstrackte und zwei Kopfbauten.
Der Mitteltrackt enthält die Eingangshalle, als Durchfahrt konzipiert. Sie wird von zwei halbkreisförmigen Treppentürmen flankiert, deren Bekrönung als Helme ausgeführt sind.
Die Treppentürme sind direkt mit der Eingangshalle verbunden. Die Eingangshalle ist mit fünf Kreuzgewölben überdeckt. Die Wände sind als gotisches Mauerwerk gestaltet.In den Kopfbauten befinden sich Nebentreppenhäuser und kleinere Räume, welche früher als Wohnungen genutzt wurden. Das Verbundmauerwerk besteht aus roten und gelben Verblendziegeln. Die Mauerkronen der Seitenflügel und des Mittelteils sind in Zinnenform gestaltet.

Das Dach des Gebäudes ist als schiefergedecktes Pfettendach, die Seitentrackte als Walmdächer ausgeführt. Das gesamte Kasernenareal, ca. 4 Hektar, wurde von einer Mauer umschlossen, von der nur noch rudimentäre Bruchstücken vorzufinden sind. Die übrigen Gebäude sind so verteilt, dass ein großer Hofraum von 218m Länge und 105m Breite von den vier Stallungen und einer Schmiede umschlossen wird.
In südlicher Richtung von der Wohnkaserne liegt das Arresthaus und nach Norden hin der Krankenpferdestall und das Wagenhaus. Die Stallungen boten Platz für 572 Pferde.
Auch in den Nebengebäuden, dem Historischen "U" (der früheren Pferdeställe) wurden allen Stilelementen große Aufmerksamkeit geschenkt. Alle tragenden Elemente sind originalgetreu erhalten, selbst alte Wandmalereien sind erhalten geblieben. Heute dient das "U" als Veranstaltungsort für viele Anlässe. Die Forderungen des Denkmalschutzes wurden beim Aus- und Umbau der Kaserne weitestgehend eingehalten.

Die Kaserne war über 500 Soldaten eine Heimstatt. Dabei wurde der Unterbringung von Mensch und Tier gleichermaßen große Sorgfalt zuteil. Eine Küche mit einer Kapazität für 600 Mann, eine Duschbade-Einrichtung, tiefe Frischwasserbrunnen und Reparaturwerkstätten im Hause stellten eine angemessene Unterbringung der Soldaten sicher. Weiter standen im Hofe sowie in angrenzenden Grundstücken Reit- und Schießbahnen zur Verfügung. Erst weit nach dem Ersten Weltkrieg, nämlich im Jahre 1927, mussten die in der modernen Kriegsführung obsolet gewordenen Reiter ihre Lanzen und Pferde abgeben.
1934 bezog eine Nachrichtenabteilung in der Kürassierkaserne Quartier. In den dreißiger Jahren wurde die Kaserne in nördliche Richtung um ein Küchengebäude erweitert. Dieses Gebäude beherbergt unter anderen den Sitz des Kreistages. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Kaserne unversehrt. Bei Annäherung der russischen Soldaten räumte die Wehrmacht das Gebäude, das sofort von der Roten Armee bezogen wurde.
1952 folgte die Kasernierte Volkspolizei (KVP), später die Nationale Volksarmee (NVA). Nach der Wende wurde der Gebäudekomplex im November 1992 geräumt. Steine sind oft Zeugen vergangener Generationen. Die Intarsien in den Steinwänden zeugen nicht nur von den Erbauern des Gebäudes, sondern auch von den Bewohnern der Kaserne. Sowjetische Soldaten als auch NVA- Soldaten brachten vielleicht ihre Sehnsüchte zur Heimat und Entlassung zum Ausdruck.

   

Nach der Kreisgebietsreform 1994 besaß der neuentstandene Landkreis Uecker-Randow viele verschiedene Verwaltungsgebäude. Gleichzeitig verfiel die ehemalige Kürassierkaserne zusehends, da bereits zu DDR-Zeiten wesentliche Instandhaltungsmaßnahmen unterblieben waren und seit dem Leerzug nicht mehr geheizt wurde. Vor allem das marode Dach hatte Wasserschäden in beträchtlichem Umfange nach sich gezogen.
Ansichten und Details der Kaserne und Umgebung

Fassade und Foyer des Haupthauses (ehemalige Wohnkaserne) wurden entsprechend den Bestimmungen des Denkmalschutzes erhalten. Heute trägt die Kürassierkaserne auf diese Weise wesentlich zum Stadtbild von Pasewalk bei.

 

 
Zuletzt geändert: 22.02.12 | Design phpCMS, http://www.phpcms.de | Impressum | nach oben