Das Altwarp nicht nur ein altes Fischerdorf ist, sondern schon seit frühen Jahren mit der Seefahrt verbunden war, merkt man bei einem Gang über den Friedhof.
Der Friedhof mit seinen historischen Gräbern erzählt wie kein anderer die Geschichte Altwarps auch als Seefahrerdorf.
Die Besucher können die Kapitänsgrabsteine von Schiffskapitän Wilhelm Eduard Moritz (1810-1908), Schiffskapitän Wilhelm Uecker (1844-1901), Schiffskapitän Hermann Krüger (1850-1881), Kapitän Robert Laasch (1850-1929), Schiffskapitän Richard Sprenger (1853-1913), Schiffskapitän Carl Sprenger (1854-1891), Schiffskapitän Eduard Schröder (1854-1914), Kapitän Herrmann Krüger (1859-1938), Kapitän Wilhelm Schmidt (1861-1930), Schiffskapitän und Ltn. Z. See d.R. Wilhelm Blanck (1885-1918), Kapitän Friedrich Stark (1886-1952), Kapitän Joachim Schmidt (1920-1997) entdecken. Auch Pastor Otto Schu (1855-1932) fand hier seine Ruhestätte.
Anders als in der Großen Fahrt waren die Kapitäne früher auf den Küstenschiffen häufig zugleich auch die Eigner. Seemännisches Können, Geschäftstüchtigkeit und Sparsamkeit zählten zu den wichtigsten Eigenschaften, um im harten Konkurrenzkampf bestehen zu können. Wer als Junge, Matrose oder Steuermann auf einem Küstenschiff anheuerte, durfte nicht gerade mit komfortablen Unterkünften, üppigem Essen und einer guten Heuer rechnen. Stattdessen war harte Arbeit zu leisten - auf See genauso wie beim Laden und Löschen im Hafen.
Um die vorige Jahrhundertwende transportierten einige tausend kleine und kleinste Küstensegler verschiedener Typen landwirtschaftliche Güter, Kohle, Baumaterialien und Dinge des täglichen Bedarfs von kleinen und größeren Häfen bis in die entlegensten Winkel der Ostsee. Als der Swinemünder Hafen ausgebaggert war übernahmnen 10 Leichterschiffe aus Altwarp (1751) die Waren und beförderten sie nach Stettin. Altwarper Kapitäne befuhren auch die großen Meere und brachten Reichtum ins Dorf. Von bis zu acht Seeschiffen ist 1862 die Rede. Altwarper Flussschiffer beförderten mit Kähnen schwere Frachten auf der Oder in Richtung Schlesien oder Böhmen hinauf.
So dürften viele Altwarper sich einen mehr als bescheidenen Wohlstand erarbeitet haben.
Den Wettbewerb im Nahtransport verlor die Kleinschifffahrt noch vor dem Ersten Weltkrieg gegen die wie Pilze aus dem Boden sprießenden Kleinbahnen. Die lokalen Bahnen mussten sich letztlich dem Lastkraftwagen geschlagen geben.
Bei längeren Distanzen und größeren Mengen konnte sich die Küstenschifffahrt rund ein Jahrhundert bestens behaupten.
Die Schiffe wurden größer, Holz als Schiffbaumaterial wich dem Eisen und dieses bald dem Stahl. So fand auch die Küstenschifferei in Altwarp ihren Niedergang. Kleine Motoren dienten zunächst als ‚Flautenschieber'. Mit zunehmender Entwicklungsreife übernahmen sie mehr und mehr den Hauptantrieb. Aus Seglern entstanden Motorsegler, bis ab Mitte der 1930er Jahre nur noch reine Motorschiffe gebaut wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg präsentierte sich die deutsche Küstenschiffsflotte klein und hoffnungslos überaltert und die wenigen Neubauten wurden Kriegsverluste oder alliierte Beute. Die noch verbliebenen Werften bauten Fischereiboote oder gaben auf.