In Vorpommern, am Stettiner Haff!
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Historische Darstellung - Einer der letzten Lastensegler

Segler Elise

Segler "Elise"

Aus alten Unterlagen und historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Schiffsverkehr im Stettiner Haff stark ausgebaut war. Allein in Neuwarp gab es drei Bootswerften.
Ein Zeitzeuge aus den zwanziger Jahren war das Segelschiff namens "Elise". Herr Fritz Gäde aus Hamburg übermittelte folgende Schiffsdaten über das ihm bekannte Segelschiff. Auch ein Zeitzeuge in Altwarp konnte noch ausfindig gemacht werden.
Der Altwarper Gerhard Krüger, ein Enkel des 1952 verstorbenen Schiffers kann sich noch gut an seinen Großvater, vor allem dessen Befürchtungen, und das Schiff erinnern.
... Du bist zu langsam mit Deinem Schiff, Du bist zu langsam! bekam er ständig von seinem Charterer zu hören. Und so baute er sich einen Motor ein. Der Einbau, die Instandhaltung und Wartung überstiegen aber seine finanziellen Möglichkeiten. Er ging "Pleite"!
Und so wurde die Elise in der Nähe Stettins, bei Grabow in einem Seitenarm festgelegt. Wie Herr Krüger erzählte, fuhr man auf dem Wege nach Stettin noch oftmals an dem Schiff vorbei. Eines Tages aber hatte sie Schlagseite. Das weitere Schicksal ist unbekannt. Sicher wird es in dieser Zeit tausenden Schiffen so ergangen sein.
Angaben zum Schiff:

Für L. Fünning lassen sich bis 1913 noch drei weitere neue Schoner nachweisen:
1911 ERNA, 59 BRT, Kpt. O. Wendt, Pruchten
1911 HEDWIG, 40 BRT, Kpt. E. Meister, Ueckermünde
1913 POLARIS, 67 BRT, Kpt. C. Steinbrinck, Seedorf/Rügen

Im Jahre 1932 heuerte ein Gustav Gaede auf der Elise als Moses (Schiffsjunge) an. In einem Brief, der noch erhalten ist, schildert er die harte und aufopferungsvolle Arbeit an Bord.
Hier nun der Inhalt des Briefes, den mir Herr Gaede aus Hamburg freundlicherweise zur Verfügung stellte:
 
... Im Mai 1932 fuhr meins Mutter mit mir zu Tante Lisbeth nach Stettin, der Mann ihrer einzigen Tochter Klärchen hatte eins Möglichkeit herausgefunden, mich als Schiffsjungen anheuern zu lassen. Deutschland hatte damals 7 Millionen Arbeitslose, ich hatte sonst nur die Wahl, Heringsbändiger in dem Geschäft meines Vaters zu werden. Klaus Märker ging also mit mir los in die Baumstrasse am Hafen, in eins dunkle Hafenkneipe im Keller. Im Hinterzimmer saßen ein paar Schiffer, und ich wurde denen vom Wirt vorgestellt. Einer, mein späterer Kapitän, fragte mich, ob ich auch arbeiten könnte. Der Wirt bekam 5 RM für die Vermittlung. So wurde ich Moses auf einem 100 ton hölzernen Gaffelschoner. Wir luden in Stettin Briquettes nach Odense in Dänemark.

Am ersten Tage musste ich hoch oben den Fockmast im Bootsmannsstuhl hängend abkratzen. Meine Mutter kam noch einmal zum Hafen, um sich von mir zu verabschieden. Der Matrose ließ mich großzügig herunter dazu. Nachdem wir die Ladung genommen hatten, fuhren wir zuerst nach Altwarp am Stettiner Haff, wo der Schiffer wohnte und nahmen Proviant für die große Reise über die Ostsee.

Gustav Gäde später auf einem anderen Segelschiff

Über Peene und Strelasund, an Barhöft vorbei und von Hiddensee aus fuhren wir in die Ostsee. Nebel kam auf, und ich musste stundenlang das Nebelhorn drehen, das war ein großer Holzkasten. Als der Nebel ganz weg ging, kam die Insel Falster in Sicht. Da holte der Schiffer die Schnapsbuddel raus, und wir drei tranken ein Glas selbstgemachten Ingwerschnaps. Das war wohl Tradition.

Im Grönsund ankerten wir und pilkten uns ein paar Dorsche, die musste ich dann sauber machen. Bei einer Petroleumlampe. Gegen 2 Uhr ging ich in die Koje und um 3 Uhr klopfte der Alte mit seinem Träsko an die Bordwand hinten in seiner Kabine, das konnte man im Logis vorne hören. "Rise Rise" brüllte mich der Matrose an, ich hatte natürlich vor Müdigkeit nichts gehört. Mit dem Pumpspill wurde der Anker kurzgehievt, der Motor angewärmt, wir hatten einen 2 Zylinder Glühkopf Motor (Deutsche Werke) von 24 PS. Der Motor sprang an, Anker hoch, Schoner- und Vorsegel hoch, und weiter ging die Reise.
In Odense drehten ich und der Matrose in 2 Tagen die 100 Tonnen Briquettes mit einer Handwinde aus dem Schiff. Zum an Land gehen stand mir am Abend der Sinn nicht mehr, ich war am Ende meiner Kraft. Die nächsten Häfen waren Halmstad -Stettin, Wismar, Svendborg, Veyle und immer zurück nach Stettin.

Bei der Heu- und Kartoffelernte musste ich in Altwarp helfen. Zu Weihnachten legte das Schiff dann auf, und der Schiffer meinte, ich wäre ja nicht so schlecht gewesen, ich könnte zu Ostern wieder mitfahren.

Aber ich hatte andere Schiffe aus Hamburg gesehen, die hatten Ruderhäuser und waren aus Eisen, die sahen mir schon besser an. l5 RM Heuer hatte ich bekommen, davon gingen aber 6 RM Sozialversicherung ab. Ich hatte aber keine Zeit gehabt, das Geld während der Zeit auszugeben. In Freizeit schlief ich immer wie ein Toter. Ich habe aber von der vielen schweren Arbeit keinen Schaden erhalten ...

Das Gemälde links befindet sich im Besitz Herrn Krügers.
Allen Beteiligten, vor allem Herrn Krüger, Herrn Gaede aus Hamburg und Herrn Karting aus Itzehoe meinen herzlichen Dank. Sofern ich mehr über das Schicksal des Bootes erfahren kann, will ich gern diese Seite ergänzen. Ganz besonders feute ich mich über die ergänzenden Angaben und Informationen von Herrn Herbert Karting.

Bildquellen: Herr Gerd Krüger - Altwarp, Herr Gaede - Hamburg

 
Zuletzt geändert: 22.02.12 | Design phpCMS, http://www.phpcms.de | Impressum | nach oben